Modem Nr. 1



Dem SN-Modem Nr. 1 kommt besondere Ehre zuteil. Nicht nur weil es sich hier um eines der 8 dienstältesten SN-Modems handelt, ist dieses Modem etwas ganz besonderes: Dem Gerät war die Direktwahlnummer und legendäre SN-Sammelnummer 4-4-8-8-2-2-7 zugewiesen. Das macht es zum Symbol der SN-Mailbox-Ära.

Der DIN A4 grosse Quader besteht aus vier Acryl-Schichten mit einer Gesamttiefe von 6 cm. Das Modem wurde 3D-gescannt und anschliessend aus der massivem mittleren Schicht mit einem Laser herausgefräst. Dahinter befindet sich die lichtdurchlässige Abbildung des ehemaligen SN-Server-Raums. Die Aufnahme zeigt das Heimatregal der Modems zu ihrer Dienstzeit, ganz oben ist der Monitor der Systemkonsole zu erkennen. Rechts unten im Bild befindet sich eine grüne Markierung: Sie zeigt das Einser-Modem an seinem ursprünglichen Ort.

Dieses Objekt ist nicht nur die Verkörperung von fünf Jahren Geschichte einer lokalen Münchener Mailbox namens StadtNet - vielmehr geht es hier darum, eine ganze Bewegung nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Auch wenn das StadtNet vielleicht das Flaggschiff der heimischem Mailbox-Szene zu sein vermochte, es soll hier nicht nur von einer Geschichte unter Vielen erzählt werden. Zum StadtNet vergleichbare, simultane Entwicklungen gab es vielerorts. Diese Mailboxen sind der Online-Urknall. Die grundlegende Motivation war und ist das unstillbare Bedürfnis des Menschen zur grenzenlosen Kommunikation.

Die Einwahl zu seiner "Heimat-Mailbox" - das ist jetzt schon Vergangenheit. Es wird bewusst, daß die "neuen Medien" sich im ständigen Wandel befinden und zugleich wird es dadurch notwendig, Meilensteine in irgendeiner Form zu dokumentieren. Technisch gibt es kaum Möglichkeiten, Funktionalität und Geist eines Online-Systems zu konservieren - deshalb brauchen wir Symbole. Auch auf unser Erinnerungsvermögen ist nicht Verlass, beispielsweise unterscheidet sich bereits heute vieles, was wir mit "online" in Verbindung bringen, grundlegend von dessen vergangener Vorstellung.

Wenn man die Geschichte des StadtNet oder die Geschichte einer der vielen Mailbox-Systeme der vergangenen Online-Welt nicht miterlebt hat, dann wird man sich aus späterer Sicht schwer vorstellen können, worin ein Zeitalter der Netz-Kultur ihren Ursprung fand. Dabei ist nicht wichtig, daß die Technologie sich weiter entwickelte. Viel wichtiger ist, daß eine erste "breite Masse" sich mit Hilfe der Mailboxen einen Zugang zu dieser Form der Kommunikation verschafft hat. Die dadurch freigewordene Energie des Zusammenpralls von Computer-Netzen mit menschlicher Kommunikation ist die treibende Kraft der "Online-Revolution".

Sebastian Schnitzenbaumer


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